27. Etappe am 3.12.2017 von Caputh nach Potsdam (ca. 12 km)

Die Schlussetappe wollen wir noch im alten Jahr absolvieren, damit man wenigstens eines der vielen geplanten Vorhaben realisiert hat. Mit der Bahn geht`s unkompliziert nach Caputh-Schwielowsee (in Potsdam umsteigen mit Anschluss, wenn er denn klappt). Wir wollen zwar auf das Westufer der Havel, da die Baustelle auf der Brücke über den Templiner See natürlich nicht fristgerecht am 1.11.17 aufgehoben wurde, möchten uns aber nicht den Genuss der Fährfahrt über die Havel entgehen lassen. Die 50 Cent pro Person zahlen wir gerne, obwohl das auf die nur ca. zwei Minuten dauernde Überfahrt umgerechnet wohl teurer als die teuerste Kreuzfahrt ist (Mal überschlagen: der Tag hat 1440 Minuten, wären also 720 €/Tag, bei einer 10-Tages-Fahrt also 7200 €. Stattlich!). Drüben angekommen geht es über die Eisenbahngleise und dann entlang des Petzinsees ( 87 ), einer Auswulstung der Havel, bzw. des Templiner Sees.

Bald gelangen wir zur Brücke am Ende des Eisenbahndammes, der den Petzinsee vom Templiner See abschneidet und kommen so wieder an dessen Ufer. Wir gehen am Rande der Pirschheide entlang. Am Campingpark Sanssouci lockt das Café zur ersten Rast. Obwohl eigentlich nur die Rezeption des Campingplatzes geöffnet hat, bereitet der nette holländische Angestellte Kaffee zu und serviert uns Kuchen im eigens für uns geöffneten Speisesaal. Das nennt man Service!

Wir verlassen die heimelige Wärme des Speisesaals nur ungern, gehen ein kleines Weilchen, bis wir den großen Bahndamm mit Brückenöffnung für die vielen Schiffe und Boote, die hier im Sommer unterwegs sind, erreichen. Ein Ingenieur der Bahn, der seinem Auto auf dem Parkplatz entsteigt, weiß natürlich auch nicht, wann die Bauarbeiten beendet sind, weil er für den Unterbau der Gleise zuständig ist, der schon längst fertig ist…

Der Weg führt nach kurzem Schlenker immer am Wasser auf dem breiten Radweg entlang. In der Ferne sehen wir schon die Türme und Hochhäuser von Potsdam. Man könnte den Uferweg bis zum Bahnhof laufen, aber wir wollen ja den Original-66-Seen-Weg ohne Kompromisse ablaufen, bis wir wieder vorm Schild am Brandenburger Tor stehen. Also biegen wir links in die Kastanienallee ein, gehen durch gepflegte Wohnanlagen aus den Zwanzigerjahren und gelangen immer geradeaus gehend zum Park Sanssouci. Als gute Bürger wollen wir den freiwilligen Eintritt in den Park zahlen, der Automat wirft aber beileibe keine Eintrittskarte aus, nachdem er das Geld mysteriös geräuschlos verschluckt hat. Wir denken lieber nicht darüber nach, was mit unserem Geld geschieht. Den Schlössern und Gärten wird es sicher nicht zu gute kommen. Das Schloss Charlottenhof, wo wir eine kurze Erläuterung vom Wissenden erhalten, sollte man vielleicht im Frühling mit Führung besichtigen. Vorbeischlendernd sehen wir linker Hand das Neue Palais, biegen aber nach rechts, also Osten ab, um am Chinesischen Teehaus vorbeizulaufen. Aber im Park sind die blauen Punkte nicht gestattet und prompt „verlaufen“ wir uns, gehen an schönen Teichen durch sumpfiges (oder ehrlicher beschrieben: matschiges) Gelände, um im aufkommenden Regen auf der Hauptallee dem Ziel näher zu kommen. Wir verlassen den Park an der Straße Am Grünen Gitter und gelangen so zum Brandenburger Tor, wo einige Meter daneben an der Schopenhauerstraße das Start- und Zielschild des 66-Seen-Wanderweges mit einem Gruppenfoto gewürdigt wird. Den Glühwein, den wir uns auf dem Weihnachtsmarkt hinter dem Tor vor dem Regen geschützt in einer kleinen Bude genehmigen, haben wir uns nach 416 km (laut Buch) bzw. 373 km (laut Schild) redlich verdient. Die Addition der Kilometer unserer 27 Etappen beträgt 454 km, wobei wir nicht immer ohne kleine Umwege, sprich Irrwege auskamen. Obwohl die Entfernungen der letzten 10 Etappen mit GPS ausgemessen wurden (und ziemlich genau mit den Angaben in den Reschke-Karten übereinstimmten) gibt es diese Differenz, wegen der sich aber kein Kopfzerbrechen lohnt. Letztlich ist die Gesamtwanderstreckenentfernung völlig egal. Es geht nur um den Spaß und den hatten wir in den vergangenen vier Jahren.

Der 66-Seen-Wanderweg mit seien 87 Seen ist auf jeden Fall zum Nachwandern empfohlen!

26. Etappe am 30.10.2017 von Seddin nach Caputh (ca. 15 km)

Unser Startpunkt ist zwar der Bahnhof Seddin, aber genauer gesagt befinden wir uns eigentlich im Ortsteil Neuseddin, denn Seddin liegt ja südlich des Großen Seddiner Sees. Stört uns aber nicht, wir wandern zu fünft durch die Eisenbahnersiedlung mit z.T. recht ordentlich renovierten Häusern, teilweise sieht man aber auch Leerstand und Verfall. Das „Kulturhaus“, in dem zu DDR-Zeiten sicherlich feuchtfröhliche Betriebsfeiern stattfanden, nachdem der Kreisparteisekretär seine spannende Rede gehalten und der Betriebsleiter die „Beste Brigade“ ausgezeichnet hatte, gammelt mit zerbrochenen Scheiben vor sich hin, Läden gibt es auch nicht mehr. Im Wald kommt uns stilsicher der Förster im Auto entgegen und warnt uns vor eventuell nach den vergangenen Stürmen herunterfallenden Ästen. Wir versprechen aufmerksam zu sein und nach eineinhalb Kilometern erreichen wir die Unterführung unter den Bahngleisen, wo wir auf den in den letzten vier Jahren liebgewonnenen blauen Punkt treffen.

Der Weg ist einfach zu finden. Fernab jeglichen Wassers, geschweige denn eines Sees, gehen wir durch den Wald, mal Mischwald, mal exakt in Reihen gepflanzter Kiefern- oder Fichtenwald, von dem die Förster gerne behaupten, dass es so etwas gar nicht mehr gebe, weil man ja gelernt habe. Pustekuchen. Damit es nicht gar zu eintönig wird, machen wir den Umweg zu einem Mahnmal für 80.000 Gefallene des Weltkrieges. Wahrscheinlich sind alle Gefallenen der Schlacht um Berlin gemeint, denn eine gigantische Schlacht vor den Toren Potsdams ist uns unbekannt. Das Schild, das uns verbietet die Bahngleise zu überqueren, sehen wir erst, als wir sie schon überquert haben, was nötig ist, um wieder zur eigentlichen Route zurückzukommen. Bei Lienewitz müssen wir eine Baustelle an einer neuen Autobahnauffahrt überwinden. Überraschenderweise hat ein mitdenkender Beamter die Fußgänger berücksichtigt, so dass wir gefahrlos auf die nördlich der A 10 gelegene Seite gelangen. Wir kommen an der Försterei vorbei und sehen nach ein paar Minuten tatsächlich den Karinchensee (81) durch die Bäume schimmern. Jetzt geht es aber Schlag auf Schlag: Zuerst umrunden wir den Kleinen Lienewitzsee (82), nicht ohne die riesige Eiche zu bewundern, ohne herauszufinden, wie alt sie wohl sein mag. Ob der Große Kurfürst vielleicht schon an ihr vorbeigeritten ist? Oder gar Martin Luther, aber der hat sich wohl eher selten in brandenburgischen Gefilden aufgehalten. Wir gehen dann, entsprechend der wieder guten Ausschilderung, auf die Südseite vom Großen Lienewitzsee (83). Als Reschke sein Buch schrieb (S.222) gab es am Ostufer des Sees noch „vier uralte Eichen“, von denen wir nur drei erkennen können. Der letzte Sturm hat auch hier viele Bäume entwurzelt, eventuell war eine der Eichen auch dabei. Nach ca. 2 bis 3 Kilometern entlang gerader Waldwege erreichen wir den Caputher See (84). Eine zeitlang gehen wir am Ufer entlang, dann etwas abseits, bis wir die Häuser von Caputh erreichen. Geradeaus stehen wir bald vor dem Schlosspark. Natürlich ist das Schloss eine Besichtigung wert, aber das wäre ein anderer Ausflug. Durch den Park zum Ufer des Templiner Sees zu gehen ist wegen der Parksperrung nach dem Unwetter nicht möglich. Auf kurzem Umweg erreichen wir aber doch den Uferweg am Templiner See (85). Der See ist natürlich wieder mal eine der dutzenden Ausbuchtungen der Havel, was man aber nur beim Blick auf eine Übersichtskarte feststellen kann. Im Fährhaus wollen wir Rast machen und ein karges Mittagsmahl zu uns nehmen. Zwei konditionsstarke Mitglieder unserer Wandergruppe gehen ohne Atzung weiter nach Potsdam, die Schlaffen essen und beenden dann die Etappe, indem sie gut gesättigt den kurzen Spaziergang zum Bahnhof Schwielowsee machen. Somit kann guten Gewissens der Schwielowsee als Nr. 86 in die Statistik aufgenommen werden. Die Bahn bringt uns über Potsdam nach Berlin.

25. Etappe am 18.9.2017 von Stücken nach Seddin (ca. 17 km)

Schön, dass wir heute kein Taxi brauchen, um an den Ausgangspunkt unserer Etappe zu gelangen. In Michendorf haben wir mehr als ausreichende acht Minuten Umsteigezeit in den Bus nach Stücken. Da kann man noch einen Kaffee kaufen und auf Toilette gehen oder beides in umgekehrter Reihenfolge erledigen. Leider gibt es weder Toilette noch Kaffee, und da die Bahn schon am Hauptbahnhof fünf Minuten Verspätung hat, die sie noch eine Kleinigkeit ausbaut, wäre der Anschlussbus weg, wenn er nicht ebenfalls zwei Minuten zu spät kommen würde. So findet man im Schlechten das Gute, wenn man nur will. Pünktlich beginnen wir um 9.15 Uhr in Stücken unsere Wanderung und finden nach kurzer Desorientierung den blauen Punkt. Nachdem wir den Ort hinter uns gelassen haben, verpassen wir sowohl die Luiseneiche als auch die Brücke über das Mühlenfließ, an dem wir entlang wandern. Wir erkennen aber den Kähnsdorfer See (77), der nur durch eine schmale Landzunge vom Großen Seddiner See (78) getrennt ist. Hinter der Badeanstalt, die aus jahreszeitlichen Gründen nicht besucht ist, gehen wir östlich des Seddiner Sees nach Norden, mal näher dran, mal etwas weiter weg. In Wildenbruch schwenken wir hinter der imposanten Feldsteinkirche nach Westen und marschieren am Golfplatz entlang, ohne Bälle zu finden, die sich über den Zaun verirrt hätten. Direkt am Ufer durch einen Wald laufend gelangen wir zur Bundesstraße 2, die wir überqueren müssen, wenn wir in den Jägerhof zum frühen Mittagessen einkehren wollen. Ein Unterfangen, das auch ohne Ampel gelingt, bzw. gelingen muss, da dieses Hilfsmittel für nicht ganz so fitte Wanderer nicht in Betrieb ist. Trotz mäßiger Temperaturen sitzen wir lieber auf der Terrasse, da es innen etwas düster ist und der Raum wahrscheinlich durch die schwerst erkältete Bedienung gründlich verkeimt sein dürfte. Leckeres Essen und man ist ja schon froh, dass es überhaupt eine Einkehrmöglichkeit gibt. Wir setzen unsere Wanderung am nicht ausgeschilderten Nordufer des Kleinen Seddiner Sees (79) fort. Dieser ist durch einen künstlichen Damm (den Napoleon anlegen ließ, um einen geraden Weg zu haben, wie der Wissende erklärt) vom großen Restsee getrennt. Da es wahrscheinlich zu gefährlich war, die Straße zu überqueren, wurde der Weg ans Südufer bei der Ampel verlegt, wir wollen aber die bei Reschke (S. 213) verzeichnete Route abwandern. Der wieder sichtbaren Ausschilderung folgend erreichen wir den Teufelssee, den achtzigsten von 66 Seen! Dann geht es noch ein Weilchen durch den Wald, bis wir an die hoch vor uns liegende Bahntrasse kommen. Wir nehmen nicht den Tunnel, sondern verlassen den Wanderweg, indem wir immer an den Geleisen entlang nach Nordosten gehen, bis wir zu den Ausläufern des riesigen Betriebsgeländes der Deutschen Bahn gelangen. In Neuseddin durchqueren wir die Siedlung, die wohl in den späten zwanziger/frühen dreißiger Jahren für die Bahnangestellten gebaut wurde. Nachdem wir die Bahnanlagen durch einen zweihundert Meter breiten Tunnel unterquert haben, sind wir am Bahnhof Seddin angelangt und sehen die Rücklichter der Regionalbahn. Aber schon in einer Stunde kommt die nächste. Mal hat man Glück, mal hat man eben Pech…

24. Etappe von Christinendorf nach Stücken am 7.8.2017 (ca. 20 km)

Da wir die letzte Etappe mit dem Taxi beendet hatten, müssen wir sie diesmal mit eben diesem beginnen. Um 9.15 Uhr gehen wir an der Christinendorfer Kirche los und wollen nicht trödeln, da uns zwei Mitglieder der Wandergruppe um 10 Uhr in Trebbin erwarten. Nach gutem Beginn und einem Alternativweg durchs nasse Gras (als Ausgleich zwei Kraniche, die 50 m vor dem Streicheln doch lieber entschweben) stockt der Wanderer an der autobahnähnlichen B 101. Die beim Verfassen des Buches (Reschke- „66-Seen-Wanderung“) noch geplante Unterführung ist jedenfalls nicht zu finden, bzw. einem Graben vorbehalten. Also öffnen wir eine unverschlossene und somit überflüssige Tür, gehen die Böschung hoch und überklettern vier Leitplanken. Es ist zwar keine Autobahn und wir tun so, als ob das der reguläre Wanderweg ist, haben aber trotzdem das Gefühl etwas Verbotenes zu tun. Mangels Verkehr ist unser Tun jedenfalls nicht direkt lebensgefährlich. Nach kurzer Unsicherheit finden wir instinktiv doch wieder auf die ausgeschilderte Route zurück, passieren die Lücke zwischen zwei alten Torfstichen (im Buch pauschal als Trebbiner See (75) beschrieben) und erreichen kurze Zeit später Trebbin. In Trebbin treffen wir am Bahnhof und am Eisladen die wartenden Wanderfreunde. Nach Begutachtung der Gedenktafel für Wilhelm Hensel verlassen wir den Ort und erklimmen den Löwendorfer Berg, mit 103 m Höhe für Brandenburger Verhältnisse ein beachtlicher Hügel. Da auf dem Gipfel noch ein Aussichtsturm gebaut wurde, kann man in Berlin den Fernsehturm, den Teufelsberg und andere Bauwerke erkennen, die immerhin 30 km entfernt sind. Nach dem Abstieg geht es durch Wald und Feld bis der Weg scheinbar an einem Acker endet. Mit Orientierungssinn finden wir aber den Weg nach Blankensee und ahnen den in der Nähe befindlichen gleichnamigen Blankensee (76). Von drei Verpflegungsstationen im Ort sind immerhin nur zwei geschlossen.  Geöffnet hat die Gaststätte Schmädicke, die in einen schönen Biergarten einlädt. Wir ordern die fünf letzten Flaschen Elektrolytgetränke und bestellen in Ermangelung von kleinen Gerichten oder Suppen Mittagessen wie Gulasch, Matjes oder Kohlroulade. Fazit: Kein Gourmettempel. Aber: Preiswert und sättigend. Der unbedingt sehenswerte Schlosspark wird wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit nicht besucht. Eine knappe Stunde Weitermarsch führt uns nach Stücken, von wo aus wir mit den Bus nach Potsdam fahren können. Das erspart uns zu Beginn der nächsten Etappe eine erneute Taxifahrt.

23. Etappe von Sperenberg nach Christinendorf am 30.5.2017 (ca. 15 km)

Ob man an einem Tag, an dem bis zu 34 Grad im Schatten und nachmittägliche Gewitter vorhergesagt sind, wandern sollte, ist sicher umstritten. Weil zwei Wanderfreunde schon am Vortag Fahrkarten erworben hatten, gibt es kein Zurück mehr und wir stürzen uns ins Abenteuer. Da die Anfahrt nach Sperenberg mit Bahn (bis Luckenwalde) und Bus erfolgt, können wir erst um 10 Uhr beginnen, 8 Uhr wäre an so einem heißen Tag natürlich besser gewesen, aber der Busfahrplan wird ja nicht nach dem Wetterbericht erstellt.

Der Weg ist, wie meistens, gut ausgeschildert, so dass wir Sperenberg zügig hinter uns lassen und, jetzt schon uns von Schatten zu Schatten vorwärtsbewegend, alsbald das ehemalige Kasernen- bzw. Flugplatzgelände erreichen, dessen Eingangstorbereich noch immer zwei rote Sowjetsterne zieren. Rechter Hand kann man immer am Zaun oder einer manchmal eingestürzten Mauer entlang weitermarschieren. Schatten ist gut, aber Mücken sind schlecht. Und hier gibt es viele Mücken, woher auch immer sie in dieser Staubtrockenheit auch ihre lebensnotwendige Feuchtigkeit herbekommen. Selten war ein Ortsname wie der von Kummersdorf angemessener, stammt der Begriff doch vom slawischen „kumor“ ab, was Mücke bedeutet. Hier hat sich die Natur durch die Jahrhunderte hindurch offensichtlich allen menschlichen Veränderungsversuchen zum Trotz durchgesetzt. Nach Kummersdorf geht es in die Sonne und wir gehen neben einem Graben ( hier gibt`s sonderbarerweise nicht ein einziges Insekt) geradeaus nach Norden. Die recht erbarmungslose Sonnenstrahlung wird durch den schon ziemlich frischen Wind subjektiv erträglicher. In Saalow angekommen beginnt der Himmel etwas von seiner Bläue zu verlieren, was nicht als unangenehm empfunden wird. Bis jetzt haben wir unserer Seensammlung noch kein weiteres Gewässer hinzufügen können, wenn man einmal von einem namenlosen Teich, den man auf dem Militärgelände durch den Urwald hindurchspähend erblicken konnte, absieht.

Am Waldrand auf tiefen, sandigen Wegen voranschreitend, werfen wir ab und an einen Blick auf den sich langsam verändernden Himmel. Gewitter sind angesagt, aber warum sollte der Wetterbericht ausgerechnet heute mal stimmen? Immerhin kommen wir doch noch zu unserem ersten, dem Kleinen Gadsdorfer See (73) und kurz danach folgerichtig zum Großen Gadsdorfer See (74), den wir fast ganz umrunden, bevor wir uns nach Westen wenden. Als wir den Wald verlassen, verfinstert sich der Himmel, aufkommender Sturm weht Sandwände von der nahe gelegenen Baustelle vor sich her und es sieht aus, als ob das Unwetter kurz bevorstände. Wir wollen also ein Taxi für die letzten vier Kilometer bis Trebbin rufen, was im zweiten Versuch auch gelingt. Allerdings müssen wir noch einen Kilometer bis Christinendorf laufen. Während das Unwetter wie das Meer bei Israels Auszug aus Ägypten links und rechts an uns vorbeizieht und sich der Sturm beruhigt, wandern wir bis zur Kirche in Christinendorf, wo uns der Taxifahrer nach einer Viertelstunde bei gutem Wanderwetter abholt. Aber sollte man ihn jetzt zurückschicken? Wir fahren nach Trebbin, können kein Abschlussbier im Hotelbiergarten trinken, da dieser erst (wenn überhaupt) um 17.30 Uhr öffnet, nehmen aber beim Fleischer einen warmen Snack zu uns, bis uns die Bahn in 17 Minuten nach Lichterfelde Ost bringt.

22.Etappe von Zesch am See nach Sperenberg am 3. April 2017 (ca. 20 km)

Anfang April ist ja vieles möglich: Es könnte ein milder, sonniger Frühlingstag sein, genauso aber wären Kälte, Gegenwind und Hagelschauer möglich. Wir entscheiden uns wie immer für den gesunden Mittelweg und begeben uns, nachdem uns ein Taxi in Ermangelung vormittäglicher Busverbindungen von Wünsdorf aus in Zesch am See abgesetzt hat, bei trockenem, nicht zu kaltem Wetter, auf unsere heutige Wanderetappe. Gleich nach dem Forsthaus wird der Kleine Zeschsee (66) halb umrundet. Wir müssen uns anschließend für eine ganze Weile auf einem tiefem Sandweg quälen, eigentlich erwartet man genau solche Wege in der Mark Brandenburg, schön sind sie trotzdem nicht. Dafür ist die Aussicht ins linker Hand liegende Tal mit der dahinter zu erkennenden Lindenbrücker Heide schon mal die Wanderung wert. In Lindenbrück biegen wir nicht 100 Meter vor dem Kriegerdenkmal rechts ab, sondern gehen bis zu selbigem, um in einem sehr kurz gehaltenen Vortrag des Wissenden zu erfahren, dass Lindenbrück bis 1937 Jachzenbrück hieß, was für die braunen Herren wohl zu slawisch klang. Außerdem wurde hier in der Nähe die Leiche eines gewissen Herrn Erik Jan Hanussen gefunden, seines Zeichens Hofastrologe hoher und höchster Nazi-Kreise. Mit rechten Dingen ging es bei seinem Tod im 44. Lebensjahr sicher nicht zu, nachdem ihn ein SA-Kommando einen Tag vor seinem plötzlichen Ableben verhaftet hatte…

Da ein Jauchegruben-Abpumpwagen mit seiner in unmittelbarer Nähe stattfindenden wichtigen gesellschaftlichen Tätigkeit sowohl unsere Hör- als auch Geruchssinne beleidigt, ziehen wir uns auf den Wanderweg zurück und gelangen im Ortsteil Funkenmühle zum Wolziger See (67). Leider müssen wir bald in den südlichen Ausläufern von Wünsdorf-Waldstadt einen guten Kilometer auf dem Radweg der B96 laufen, was nicht den angenehmsten Teil der Wanderung darstellt. Wir unterqueren dann die Bahn und gelangen an den Großen Wünsdorfer See (68), bis wir an einer „auffälligen Straßenkreuzung“ (Reschke, S. 194) nach rechts abbiegen, da die Bäckerei mit dem sehenswerten Zwanziger-Jahre-Schriftzug auch schon das eine oder andere Jahrzehnt geschlossen scheint. An einem schönen Rastplatz mit Seeblick genehmigt der Wanderleiter eine kurze Trinkpause. Das sogenannte „Hanschenland“ (Karte, Reschke S. 199) rechts liegen lassend, kommen wir, durch lautes Hundegekläff angekündigt, an einer mitten im Wald liegenden Tierpension vorbei. Danach noch etwa zwei Kilometer durch die Klausdorfer Heide, bis wir das Faule Luch (69) erreichen. Obwohl wir den Übergang zwischen Faulem Luch und Faulem See (70) verpassen, kommen wir zu den Gipsseen, nicht ohne allerdings vorher den obligatorischen Umweg zu machen, der aber mithilfe einer GPS-Ortung alsbald erkannt und zurücklaufend korrigiert wird. Was hat die Menschheit und insbesondere deren wandernder Teil nur früher ohne diese Hilfsmittel gemacht? Auf den letzten zwei Kilometern sehen wir rechts die Brüche I bis IV der nach dem Gipsabbau früherer Tage entstandenen Gipsseen (71) , die hier als ein See zusammengefasst werden. Den Besuch des Steilufers auf der anderen Seite mit Besteigung des Aussichtsturms verkneifen wir uns angesichts des einen oder anderen Knieschadens der Gruppenmitglieder. Linker Hand liegt nun der Sperenberger oder Krumme See (72), an dessen Westspitze uns der Blick auf die Kirche das Ende der heutigen Etappe ankündigt. Leider sind auch in Sperenberg die Möglichkeiten, eine Tasse Bohnenkaffee und eventuell gar ein Stück Kuchen zu erwerben stark eingeschränkt, bzw. nicht vorhanden. Der Wollladen bietet uns zwar einen Strickkurs, keinesfalls aber Nahrung in flüssigem oder festem Zustand an. Das Warten auf den Bus wird uns nur durch die Beobachtung der professionellen Reinigung und des Abtransports eines Dixi-Klos aufs angenehmste verkürzt, wenn man von Lärm und Geruch absieht. Aber daran sind wir ja heute schon gewöhnt…Der Bus bringt uns nach Zossen, von wo aus die Regionalbahn halbstündlich nach Berlin verkehrt.

21. Etappe von Teupitz nach Zesch am See am 6.3.2017 (ca. 15 km)

Wir beginnen unsere Wanderung zum ersten Mal seit langem nicht in Halbe, sondern fahren mit dem Bus von Groß-Köris nach Teupitz. Regen ist zwar seit Tagen angesagt aber nicht zu sehen. Wir schauen uns am Marktplatz um und kaum hat die Horde eine Bäckerei gewittert, stürmt sie diese und will sich gemütlich zu Kaffee und Kuchen niederlassen. Da haben die lieben Mitwanderer aber die Rechnung ohne den FL (Fahrtenleiter) gemacht, der nur Kaffee to go erlaubt und Kuchen auffe Hand. So gehen wir noch zur Kirche, dem Anleger am Teupitzer See (63) (gebogene Designerlaternen) und dem Gutshaus, in dem man nach der Wende eine kurze Zeit lang hochpreisigen Kuchen genießen konnte. Jetzt machen wir uns aber auf den Weg zum eigentlichen Etappenstart, dem „Schenk von Landsberg“, in dem wir vor zwei Monaten ordentlich speisten. Außerhalb des Ortes durchqueren wir eine schöne Hügellandschaft, die mit ihren weiten Ausblicken an englische Parklandschaften erinnert. Schafe, Hecken und Möglichkeiten zur Abhaltung einer zünftigen teatime fehlen allerdings, aber der Kaffee ist ja auch noch kaum verdaut. Wir überqueren das uns begleitende Fließ und kommen zum Tietschensee (64) hinter dem wir endlich wieder auf die Original-Route stoßen, die wir für einige hundert Meter verlassen hatten. In Tornow erreichen wir logischerweise den Tornower See (65), am dessen Süd- und Westseite wir entlang wandern. Sehr idyllisch. Die Gaststätte „Mittelmühle“, die wir nach einem Kilometer erreichen, hat natürlich nicht geöffnet, obwohl auf einer Tafel vor der Eingangstür die potenziellen Mahlzeiten beworben werden. In Egsdorf stoßen wir wieder auf den Teupitzer See und können in weiter Ferne unseren Etappenstartplatz erahnen. Wir biegen von der Route 100 m nach rechts ab, um am Seeufer eine kurze Rast einzulegen. Der Egsdorfer Horst, eine Insel, liegt mitten im See zwischen dem Rastplatz und Teupitz. Wir verlassen Egsdorf und gehen durch die Neuendorfer Heide, in weiten Teilen Sperrgebiet aus längst vergangenen Zeiten. Wahrscheinlich um Pilzsammler von den besten Plätzen fernzuhalten, wird auf immer noch vorhandene Munition abseits der Wege hingewiesen und geraten, kein Risiko einzugehen. Auch in Zesch am See befindet sich die gesamte Gastronomie (immerhin zwei Restaurants und ein Eiscafé) noch im mehr oder minder wohlverdienten Winterschlaf. Eigentlich wollten wir bis Wünsdorf marschieren, angesichts des doch aufziehenden Regens beschließen wir aber den alsbald fahrenden Bus nach Wünsdorf zur Weiterfahrt in die Heimat zu nehmen. Da noch etwas Zeit ist, gehen wir noch bis zur Brücke über das Fließ, welches den Kleinen mit dem Großen Zeschsee verbindet. Weil wir aber nicht bis zum Seeufer vorstoßen, wird der See erst in der nächsten Etappe mit der Nummer 66 versehen und fett geschrieben, womit die Wanderung eigentlich an ihr Ende gekommen wäre. Nun kann man getrost darüber philosophieren, warum Herr Reschke eine Wanderung, die an über 70 Seen vorbeiführt 66-Seen-Wanderung genannt hat. Vielleicht hat ihm einfach die Zahl so gefallen. Mal sehen, ob wir bis 77 kommen, das wäre ja auch originell gewesen. 88 werden wir wohl nicht mehr erreichen. Außerdem hätte diese Zahl einen unerwünschten Beigeschmack…

20. Etappe von Halbe nach Teupitz am 9.1.2017 (ca. 12 km)

Es liegt Schnee und trotzdem wandern wir in größerer Gruppe immerhin zu sechst. Die Anfahrt nach Halbe ist vertraut, Kaffee und Kuchen beim Edeka Becker-Bäcker lassen wir aus, weil wir ob der Bodenverhältnisse verkürzt statt nach Egsdorf nur nach Teupitz marschieren wollen. In Halbe laufen wir auf der Ostseite am Bahnhof vorbei und verpassen den rechts liegenden Karosseriesee, weil wie unaufmerksam sind und er in Reschkes Wegbeschreibung (S. 188) nicht vorkommt. Nachdem wir die Gleise überquert haben, sehen wir aber den schneebedeckten, weil natürlich zugefrorenen, Großen und Kleinen Heidesee (60),

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die hier aber nur als ein Gewässer gezählt werden, weil sie faktisch ineinander übergehen. In Halbe finden wir, wie vorausgeahnt, nicht auf Anhieb den richtigen Weg aus der Ortschaft heraus, da Beschilderung und Beschreibung nicht eindeutig sind. Eine aufmerksame Anwohnerin, die das Umherirren auswärtiger Wandersleut` schon kennt, weist uns den richtigen Weg. So verpassen wir zwar die vor uns liegende alte Tongrube, die man mit gutem Gewissen in die Seensammlung hätte aufnehmen können, stoßen dafür aber auf den neben der Straße liegenden Waldsee (61), der bei Reschke zwar in der Karte eingezeichnet ist, im Text aber übergangen wird. Da die heutige Etappe etwas knapp an Seen ist, wollen wir ihn, auch wenn wir die Zahl 66, wie man jetzt schon sieht, bei weitem übertreffen werden, mitzählen, denn was wäre eine Seenwanderung ohne Seen?

Wir kommen bald in den Wald, der zur Teupitzer Heide gehört, alles malerisch verschneit und teilweise sind die Wege,

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wenn Wurzeln unter der dünnen Schneedecke liegend nicht erkannt werden, recht glatt. In den letzten Tagen ist offenbar nur ein Wanderer diesen Weg gegangen, wie wir an einer einzelnen, gut verfolgbaren Fußspur auch ohne indianischen Spürsinn erkennen können. Um die Autobahn zu überqueren, müssen wir ein paar hundert Meter entlang der Straße marschieren, wobei der Weg im vom Winterdienst neben die Fahrbahn geschobenen Schneematsch recht anstrengend ist. Vor einer Tankstelle halten wir uns wie vorgesehen nach rechts, um zum Nicolasseee (62) zu gelangen. Hinter dem See müssten wir eigentlich nur die bei Reschke gestrichelt eingezeichnete Linie nach Teupitz laufen, aber was wäre eine 66-Seen-Etappe ohne wenigstens kleinen Umweg? Wir gehen an einer Abzweigung statt nach rechts geradeaus und befinden uns auf dem Weg ins Nichts, bzw. Richtung Nordpol. Nach einiger Zeit greifen wir doch auf das GPS zurück und gleichzeitig informiert uns eine einsame Reiterin über den Weg nach Teupitz. Zurücklaufen müssen wir nicht. Das käme aber sowieso nicht in Frage. Nach cirka 20 Minuten erreichen wir das Restaurant „Schenk von Landsberg“, wo sich die meisten Mitwanderer die Königsberger Klopse mit Kapernsoße schmecken lassen. Aufgewärmt fahren wir mit dem Schulbus am frühen Nachmittag über die Dörfer zum Bahnhof Bestensee, wo uns ein Zug mit Anschluss nach Berlin Ostkreuz bringt. Nächste Etappe im Frühling!

19. Etappe von Köthen nach Halbe am 13.10.2016 (ca. 18 km)

Same procedure as last Etappe: Kein Bus, der nach Köthen fährt – zumindest nicht zu einer Zeit, die einem Wandersmann in den Kram passen könnte, nämlich morgens. Also wieder das Taxi bestellt. Merkwürdiger Fahrer, der zuerst seine Zigarette aufrauchen muss, bevor er losfährt, uns verbietet die Rucksäcke mit in den Fahrgastraum zu nehmen und sich dann noch darüber wundert, dass wir „bei sonem Wetter“ nach Köthen fahren, um danach wieder zurückzulaufen. Könnte man doch gleich zuhause bleiben. Oder nichts tun und auf den Tod warten…könnte man erwidern, wenn man über das Leben philosophieren wollte. Aber nicht mit diesem Halber Taxifahrer…

Wir starten gegen 10 Uhr und können richtig viele Seen auf der 66-er-Liste abhaken: Wir marschieren um die sogenannten Köthener Heideseen herum, bzw., an ihnen entlang, als da wären: Der Pichersee (55) und der Mittelsee (56). Den Schwanensee (57) streifen wir nur. Wenn wir auf den Aussichtsturm Wehlaberg steigen wollten, was wir aber wegen des trüben Wetters mit Sichtweite 2-3 km verwerfen, dürften wir ihn umrunden. Stattdessen kommen wir am Triftsee (58) vorbei, der mit dem Mittelsee verbunden ist. Am Märchensee (59) verfehlen wir im dschungelartigen Gelände den Abzweig, merken den Fehler aber nach einigen hundert Metern und kehren um. Im zweiten Versuch, den man ja jedem zubilligen sollte, finden wir den Weg wieder. Da wir den kurz danach erreichten Wehrigsee nur schemenhaft durch Bäume schimmern sehen, zählen wir ihn nicht zu unseren 66 Seen hinzu. Immer fair und sportlich bleiben. Wenn uns am Ende ein See fehlen sollte, wissen wir, welcher es war.

Auf breitem Waldweg gehen wir Richtung Norden und diskutieren die Begriffe „Genießbarkeit“ und „Essbarkeit“ von Pilzen, die nach der langen Trockenheit mit dem Regen der letzten Tage jetzt vereinzelt zu sehen sind. Den bei Reschke beschriebenen Uferweg können wir nicht entdecken, wir sehen den Köthener See aber immerhin, bis wir vor Neuköthen abbiegen und zum Dahme-Umflutkanal gelangen, der uns jetzt bis Märkisch-Buchholz den Weg weist. Obwohl im Kanal auch Wasser ist, zählt er nicht als See, ist insofern überflüssig, als Wegbegleiter aber ganz praktisch. Eine offensichtlich nicht funktionstüchtige Schleuse verwehrt Schiffen die Weiterfahrt. Für Paddler ist aber eine Schurre zum Überziehen des Bootes vorhanden. Bevor wir nach Märkisch Buchholz hineingehen, müssen wir über die Brücke, die vor dem Kaskadenwehr über den Kanal führt. In mehreren Treppenstufen fällt das Wasser mit ordentlichem Rauschen hinab. Das geplante Mittagessen im Ort entfällt, da die Wirtschaft zwar eigentlich geöffnet hätte, ein Zettel aber ausgerechnet heute die Öffnung aber erst für 17 Uhr ankündigt. Ein zweites Restaurant hat bereits den Winterschlaf begonnen und das dritte existiert nur noch virtuell auf der Karte bei googlemaps. Um den alsbaldigen Hungertod noch etwas hinauszuzögern erstehen wir im örtlichen Kramladen an der Kirche immerhin Würstchen mit Brötchen und Kuchenteilchen. Diese wollen wir eigentlich ganz unchristlich auf den harten Kirchenbänken verzehren, aber leider hat das Gotteshaus seine Pforten nicht nur für müde Wanderer verschlossen. So genießen wir unsere Mahlzeiten im Stehen, bevor es relativ unspektakulär für ca. 5 km durch den Wald (Naturpark Heideseen) von Märkisch-Buchholz nach Halbe weitergeht. Leichter Nieselregen begleitet uns bis zum Edeka-Becker-Bäcker in der Nähe des Bahnhofs, in dem wir wie beim letzten Mal die Wartezeit auf den Zug mit Kaffee und Kuchen verkürzen. Und ein bisschen Aufwärmen tut auch ganz gut…

18. Etappe am 5.9.2016 von Neuendorf am See nach Köthen (ca. 11km)

Jetzt, im tiefen Südosten des Speckgürtels, wird der Speck recht mager: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auf reine Alibifunktion und Schülertransporte reduziert. Ein Bus hat uns zwar nach der letzten Etappe von Neuendorf weggebracht, es gibt jedoch keinen Vormittagsbus, der uns hinbringen könnte. Aber es gibt ja Taxiunternehmen, die die Lücke gerne besetzen. Von Halbe werden wir also bequem nach Neuendorf gefahren und beginnen erwartungsvoll diese Etappe, die uns mit den Ausläufern des nördlichen Spreewaldes in Berührung bringen soll. Der blaue Punkt wird schnell gefunden, wir überqueren die schmale Spree um nach einigen hundert Metern vor dem Ende des Wanderweges zu stehen: Eine Brücke über ein Fließ existiert nicht mehr, kein Kahn weit und breit, große Strohballen als Behelfsbrücke wollten wir uns nicht „ausborgen“ und durchwaten erschien uns auch keine Option zu sein.

Also führt uns der Weg nach Leibsch nicht durch feuchte Wiesen und romantisches Sumpfgebiet, sondern wir gehen auf der schnöden Asphaltstaße, auf der uns, um die Stimmung zu heben, ein Regenschauer durchnässt. Immerhin verpassen wir keinen See und wir bekommen bestätigt, was wir sowieso schon wissen: Et kütt wie et kütt und wir nehmen’s wie es kommt. Auf jeden Fall erreichen wir Leibsch, biegen aber vor dem Dorf nach rechts ab, um am Dahme-Umflutkanal Richtung Köthen zu marschieren. Nachdem wir den Kanal verlassen haben, erreichen wir bald den Köthener See (54).  Wir entfernen uns nochmals, dem blauen Punkt folgend, vom Ufer und gelangen nach einigen hundert Metern ins Dorf und von dort zur gepflegten, leeren Badestelle. Angesichts des grauen Himmels und des frischen Windes können wir getrost auf ein Bad verzichten.

köthener see zur bearbeitung

Da das Restaurant natürlich Ruhetag hat und der Bus erst in fast zwei Stunden zu erwarten wäre, bestellen wir wieder ein bequemes Taxiauto. Unterwegs gießt es wie aus Kübeln, sodass wir froh sind, uns nicht fürs Weiterlaufen bis Märkisch-Buchholz entschieden zu haben. In Halbe angekommen können wir bei Edeka noch Kaffee und Kuchen im Stehcafé genießen, bevor wir mit dem stündlich fahrenden Regionalzug (RB 24) bis zum neuen Fernbahnhof Ostkreuz gebracht werden.