12. Etappe, Montag, 10.8.2015: Rüdersdorf – Fangschleuse (ca. 17 km)

Soll man bei Hitze auf Wanderschaft gehen und wenn ja, was heißt hier Hitze? Als die Wettervorhersage die Höchsttemperatur von 35 auf 31 Grad zurückstuft, entschließen wir uns, den Wetterunbilden zu trotzen und vorsichtshalber eine halbe Stunde früher loszumarschieren. Mit der schönen alten Straßenbahn nach Rüdersdorf zum Ausgangspunkt der letzten Etappe gefahren, nicht den kurzen Weg durch die Stadt genommen, sondern den Umweg um den Kesselsee (37) herum, sonst fehlt uns am Ende ein See an der Zahl 66 und wir müssen alles noch mal machen. Außerdem sehen wir auf diesem Weg in den riesigen, sehr eindrucksvollen Tagebau des (ehemaligen) Kalkwerks hinein. Wer zu DDR-Zeiten Richtung Seelow fuhr, erinnert sich sicher noch daran, dass der VEB Zementwerk Rüdersdorf die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften mit kostenlosen Kalkgaben für den täglichen Bedarf beglückte und die Landschaft das ganze Jahr über mit vorweihnachtlichem Weiß überhauchte. Wieder eine Errungenschaft des Sozialismus, die mit dem Beitritt der DDR in die BRD alsbald abgeschafft wurde.

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Nachdem wir die Autobahn unterquert haben, kommen wir zum Kalksee (38), an dessen schattigem Ostufer wir voranschreiten. In Woltersdorf, am Südende des Sees, sehen wir die versiegte Liebesquelle und könnten, aus Enttäuschung darüber, einkehren, worauf wir aber verzichten. Auch den Weg hinauf zum Kranichsberg mit seinem Aussichtsturm lassen wir wegen der später zu erwartenden Hitze lieber aus und merken ihn uns als Ausflugsziel für den Herbst vor. Am Flakensee (39) können wir aber auf eine kurze Abkühlung im sauberen Seewasser nicht verzichten. Da Schwimmen hungrig macht, wollen wir im „Löcknitzidyll“ einkehren, müssen aber über die Straße gehen und uns beim Mexikaner (der, wie ein Gespräch ergibt, aus dem Libanon stammt) niederlassen, da das Löcknitzidyll geschlossen ist (offiziell: „Renovierungsarbeiten“, inoffiziell: Abriss und Neubau). Keine Soljanka, eigentlich doch ein ursprünglich aus Mexiko stammendes Gericht, im Angebot. Schade.

Wir wandern jetzt nach Westen, am Wupatzsee (40) vorbei und kommen, obwohl wir die Beschreibung der vielen Brücken bei Reschke (S. 139/140) nicht immer nachvollziehen können, zum Tal der Löcknitz, die durch schattigen Wald vor sich hin mäandert. Bald sehen wir den kleinen Fluss nicht mehr und weil wir die Bahn um 15 Uhr erreichen wollen (es ist jetzt doch richtig heiß geworden und unsere Wasservorräte nähern sich dem Ende), legen wir einen Zahn auf dem nun breiten, nicht sehr romantischen Forstweg zu. Die beschriebene „liebliche, stille Auenlandschaft mit Wiesen und Birken“ (S. 140) können wir beim besten Willen nicht erkennen. Wir kommen zum Glück kurz vor Eintreffen der Regionalbahn 1 auf dem Bahnhof Fangschleuse an, denn die angekündigte Bahnhofsgaststätte mit schönem Biergarten, in der wir notfalls ein Stündchen überbrückt hätten, hat natürlich geschlossen…

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