3. Etappe von Wustermark bis Schönwalde

3. Etappe, Donnerstag, 12.12.2013

Auf dem Bahnhof Wustermark geht`s mit leichter Verspätung weiter: Die Bahn hat auf 1:08 Stunden Fahrzeit locker 20 Minuten Verspätung kreiert. Kein Regen, dafür zur Abwechslung Nebel. Man sieht nicht viel, aber da wir den Ort, den es als solchen eigentlich gar nicht gibt, schon beim letzten Mal nicht erkundet haben, lassen wir ihn ohne große Trauer hinter uns und erreichen den Wanderweg mit dem blauen Punkt kurz vor der Eisenbahnunterführung.

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Nach der B5-Unterquerung sind wir wieder am Kanal, manchmal ist der Weg nicht ganz eben und mit Gras überwachsen, aber wir haben aus der Erfahrung der letzten Etappe gelernt und weitgehend wasserdichte Schuhe angezogen. Wir finden den Weg wie in der „Bibel“ (Manfred Reschke: „66-Seen-Wanderung“) beschrieben und sind, nachdem wir das versteckte Erinnerungsschild der „Brücke der Jugend“ von 1952 entdeckt haben, nach zwei Stunden in Brieselang. Es ist zwar eigentlich noch nicht Mittagszeit, aber wer weiß, ob wir noch eine geöffnete Gaststätte zu erwarten haben. Wir weichen also von der Hauptstrecke ab und gehen Richtung Bahnhof, um im Gasthaus DSC00893Brieselang Rouladen, bzw. Leberkäs zu essen. Keine Feinschmeckerkost, aber wir sind ja Wanderer und keine Gourmetrestaurant-Kritiker. Der Weitermarsch mit vollem Magen fällt erfahrungsgemäß schwer. Wir gehen nicht zurück zur Hauptroute sondern wählen Variante B, was den Vorteil hat, dass wir auch auf dieser Etappe wenigstens einen echten See, den Nymphensee, zu sehen bekommen, bzw. das, was davon aus den Nebelschwaden auftaucht.

NymphenseeDer Nymphensee, der erst 1950 entstand, als viel Sand für Eisenbahn- (andere Quellen sprechen von Autobahn-) Böschungen benötigt wurde, liegt still da, man hört aus dem Nebel rangierende Eisenbahnen und hat kein Bedürfnis, sich bei 4 Grad Wassertemperatur zu erfrischen, ahnt aber, dass der See im Sommer ein schöner Ort ist, um seine Freizeit zu verbringen. Der Weg geht gut ausgeschildert und gut beschrieben am Rand der unendlichen Einfamilienhaus-Siedlung namens Brieselang wieder dem Havelkanal entgegen, den wir bei Alt-Brieselang, das sind eine handvoll Häuser, erreichen.

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Es ist jetzt fast 14 Uhr und wir haben laut Wegweiser noch 13,5 km vor uns, mehr als beim flüchtigen Blick auf die Karte erwartet. Bei 5 km in der Stunde liegen noch fast 3 Stunden Fußmarsch vor uns, es dämmert aber bereits ab 15.50 Uhr. Das war schlecht kalkuliert, denn im Dunkeln wollen wir nur ungern Bekanntschaft mit Wildschweinen schließen, deren Suhlen wir ständig am Wegesrand erkennen. Also schnell weiter, noch ist alles gut zu erkennen und der Weg ist gut beschrieben. Es geht am Rand der Büttenheide entlang und durch die Wansdorfer Wiesen wieder zum Kanal. Leider können wir nicht jede Beschreibung aus dem Reschke-Buch nachvollziehen: “Am Waldende geht es weiter geradeaus über die weite freie Fläche auf die in der Ferne sichtbare Bahnbrücke zu,…“ (S. 79). Wir sehen keine freie Fläche und noch weniger eine Bahnbrücke, sondern nur den nächsten Strommast in 80 m Entfernung, finden den Weg aber trotzdem. Eine einsame Reiterin taucht auf riesigem Pferd aus den Nebelschwaden auf. Romantisches Bild. Im kurzen Gespräch erklärt sie uns, dass sie das Recht hat, die Wege mit den Pferdehufen umzupflügen, weil sie ja Steuern zahlt. Nun ja… Wir verlassen den Kanal und gehen durch die Schönwalder Heide, die keine Heide, sondern ein Waldgebiet ist (in Brandenburg gilt: Heide = Wald), auf den gleichnamigen Ort zu. Ohne die nette Skizze auf Seite 81 der „66- Seen-Wanderung“ würden wir wahrscheinlich die Nacht im Forst verbracht haben, so aber erspähen wir in fortgeschrittener Bürgerlicher Dämmerung die erste Laterne Schönwaldes und erreichen kurz darauf die Bushaltestelle (671), von der wir nach Spandau transferiert werden. Im Flutlicht spielen Eingeborene Boule (jeden Sonntag nach dem Gottesdienst, Gäste willkommen), von den gegen drei Grad tendierenden Temperaturen nicht abgeschreckt. Wir wissen nicht, ob sie sich innerlich mit anregenden Getränken aufgewärmt haben und können es auch nicht anhand ihrer Wurfsicherheit nachprüfen, da uns der Bus in 33 Minuten zum Spandauer Hauptbahnhof bringt.

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