13. Etappe, Montag, 28.9.2015 Fangschleuse bis Fürstenwalde (ca. 21 km)

Sechs Wanderfreunde und der Regionalexpress der Deutschen Bahn sind pünktlich um 8.58 Uhr am Bahnhof Fangschleuse. Die Outdoorjacken werden bei strahlendblauem Himmel aber noch herbstlicher Kühle übergezogen. Vom Bahnhof aus marschieren wir nach Norden, bis wir die Brücke über die Löcknitz passiert haben und schlagen uns dann ostwärts, also nach rechts, in den Wald. Manchmal sieht man rechter Hand das Flüsschen durch die Bäume schimmern, aus Wiesen steigt Nebel wunderbar auf. Erstes Ziel ist die sogenannte Fontanekiefer. Jede Kiefer auf den folgenden zwei Kilometern wird als solche begrüßt, bis wirklich ein Schild auf eben diese hinweist. Unklar, warum die Bezeichnung Fontanekiefer gewählt wurde. Der Wissende behauptet, dass Fontane hier bestimmt nicht lang gewandert ist, weil er, entgegen seiner Behauptung im Buchtitel, nicht gewandert ist, sondern sich stets mit Hilfe von Kutschen oder sonstigen Gefährten fortbewegt hat. Und fahren kann man hier nicht. Der Weg ist einfach, wir müssen nur geradeaus durch den Wald wandern. Verlaufen nicht möglich, da der blaue Punkt uns immer wieder bestätigt, dass wir in der richtigen Spur sind. Kurz nach 11 Uhr sind wir in Hangelsberg und können uns nicht verkneifen beim eben seine Pforten öffnenden „Hangelwirt“ einzukehren. Für Wildschweinbraten mit Rotkohl und „Klöße“ für 14,50 € ist es definitiv noch zu früh, also ordern wir Kaffee und Kuchen und hören vom Wirt, dass hier der 66-Seen-Wanderweg erfunden und im Beisein der Herren Reschke und Platzeck eröffnet wurde. Nur wenig beklagt er sich über die 196 Züge, die in 24 Stunden planmäßig auf dem 50 m entfernten Gleis vorüberrauschen. Wer in Berlin an einer Hauptverkehrsstraße oder gar der Stadtautobahn wohnen muss, ist schlimmeres gewöhnt. In Hangelsberg verlieren wir anfangs ein wenig die Orientierung, die Buchzeile „…über die Hauptstraße hinweg durch das Siedlungsgebiet“ (S. 150) soll einen halbstündigen Weg durch das sich hinziehende Hangelsberg darstellen. Am Ostende des Ortes wissen wir wieder, wo wir sind und schlagen uns durch eine Schilfspur am Spreeufer. Nach kurzer Zeit öffnet sich die Wiesenlandschaft und wir sehen nur noch grün und blau mit weißen Flecken. Einer der schönsten Panoramablicke der bisherigen 200 km! Das traumhafte Licht des späten Septembers sorgt für diese fast unwirkliche Atmosphäre.

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Nachdem wir eine Weile direkt am Spreeufer entlanggelaufen sind, werden wir vor einem „unpassierbaren Sumpfgebiet“, das „tückisch und gefährlich wird“ (S. 152) gewarnt. Wir ziehen uns, von der drastischen Wortwahl eingeschüchtert, vorsichtshalber auf den angekündigten Radweg (Spreeradweg) zurück. Der Klügere gibt nach und klüger als ein Sumpf sind wir hoffentlich, auch wenn es eigentlich im Wesen eines Sumpfes liegt nachzugeben. Leider kommen wir auf den verbleibenden vier, fünf Kilometern nicht mehr ans Spreeufer zurück, auch wenn uns das im Buch versprochen wird und auf der Karte (S. 149) so aussieht. Immerhin wandern wir so bequem auf dem asphaltierten Weg, bis wir kurz vor Fürstenwalde über eine Brücke, die einen Seitenarm der Spree überquert, gehen. Es handelt sich um die sogenannte Pintsch-Brücke, der Seitenarm war früher der Hafen der Firma. Nach den Eheleuten Oskar und Helene Pintsch ist, wie der Wissende uns erklärt, das gleichnamige Berliner Krankenhaus benannt worden, welches von der wohlhabenden Familie gegründet und finanziert wurde. Wir gehen noch ein paar hundert Meter den ausgeschilderten Weg zum Bahnhof entlang (kein blauer Punkt) und machen uns, nachdem wir uns vorher im Imbiss gestärkt haben, mit der Regionalbahn auf den schnellen Rückweg nach Berlin.

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